Zeitzeuge Max Scholz berichtet über die Sturmflut 1962

Am Dienstag, 27.10.2026, hatte der Geschichtskurs des 12. Jahrgangs im Beruflichen Gymnasium (Gesundheit und Soziales) Besuch von Herrn Max Scholz. Er ist der Großvater von Schülerin Marta Scholz, im Bild unten an seiner linken Seite stehend. Herr Scholz ist Zeitzeuge der verheerenden Sturmflut vom Februar 1962 an der gesamten Nordseeküste, die sich kommenden Jahr zum 65.-ten Mal jährt. Herr Scholz – damals 21 Jahre und „Lehrling“ in einer Autowerkstatt – ist jedoch nicht nur Zeitzeuge, sondern auch aktiver Teilnehmer an den Hilfseinsätzen und Aufräumarbeiten am Tag der Flut und in den Wochen danach. Zusammen mit seinem Vater, der die Einsätze hier in der Gegend koordiniert hatte, und mit seinen Arbeitskollegen und Freunden stand er unmittelbar im Zentrum des Geschehens. So konnte er in seinen interessanten Schilderungen jene schrecklichen Stunden der Katastrophe (und die Wochen danach) vor den Augen der Schülerinnen des Geschichtskurses wieder aufleben lassen.

Max Scholz inmitten seiner Gesprächspartner (Kurs Dr. Barre)

In einer Gesprächsrunde durften die Schülerinnen ihre vorbereiteten Fragen aus erster Hand beantworten lassen. Schnell wurde klar, dass sich die Bevölkerung in einer echten Ausnahmesituation befand, in der es um die nackte Existenz ging. In eindrucksvollen Bildern schilderte Herr Scholz miterlebte Deichbrüche aus nächster Nähe, die Hilfsaktionen per Helikopter, die Bergung von totem Vieh, die Zerstörung von Wohnraum und die Ängste der Bewohner. Alles hat sich tief in das Gedächtnis der Bevölkerung eingegraben. Zwar gab es in Friesland im Gegensatz zu Hamburg keine Toten zu beklagen, aber die Sachschäden rund um den Jadebusen waren immens. Atmosphärische Bilder des aufkommenden Sturms bis zu den Höhepunkten der Flut; Herr Scholz gelang es, seine Zuhörer zu fesseln – auch knapp 65 Jahre nach den Ereignissen. Eines hat ihn besonders beeindruckt: „Der Zusammenhalt der Menschen in unmittelbarer Nähe, die Hilfsbereitschaft über das normale Maß hinaus bis zur Belastungsgrenze, das Zurückstellen der eigenen Interessen ohne zu zögern, das war etwas ganz Besonderes“, so Max Scholz. Er ist überzeugt, dass in ähnlicher Situation auch heutzutage die Menschen wieder derart zusammenwachsen und über sich hinauswachsen werden. Zumindest das war für die Schülerinnen am Ende dieser Stunde etwas tröstlich….

 

Bilder von der damaligen Katastrophe (Quelle: homepage des Schlossmuseums Jever; Fotos von Franz Tuhy):