Täglich sterben in Deutschland ungefähr 900 Menschen in Pflegeheimen, wodurch die Tragweite der Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Sterben für die angehenden Pflegefachkräfte deutlich wird. Die würdevolle Begleitung von Sterbenden und deren Angehörigen steht dabei im Fokus und ist auch das Ziel eines solchen Seminars, welches einen wichtigen wie auch festen Bestandteil im Rahmen der Pflegeausbildung darstellt. Die Begleitung und Versorgung Sterbender und Verstorbener stellt sehr hohe emotionale und fachliche Anforderungen an die Pflegekräfte, die Klienten und deren Angehörige. Folglich ging es in dem Sterbeseminar für die Schüler*innen der BFA 19.1 der BBS Varel in erster Linie darum, sich behutsam und vorbereitend mit dem Thema Sterben und Tod auseinanderzusetzen.

Aus diesem Grund fand das Seminar nicht im Rahmen des alltäglichen Unterrichts in den Räumlichkeiten der BBS Varel statt, sondern wurde für zwei Tage ausgelagert.

Es herrschte eine Atmosphäre, die sowohl einen Austausch von Erfahrungen in einem geschützten Rahmen als auch ein Zulassen von Emotionen ermöglichte.

 

Durch verschiedene Referenten, deren Handlungsfeld die Begleitung von Sterbenden und Verstorbenen darstellt, war es den Schülern möglich, vielseitige Einblicke zu erlangen und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen. Zunächst ging es um die pflegerische Versorgung Sterbender und Verstorbener, um den Auszubildenden körperliche Veränderungen, die Sterbephasen nach Kübler-Ross und Handlungsabfolgen nach dem Versterben von Klienten näherzubringen.

Des Weiteren war die Klasse im Hospiz am Wattenmeer zu Gast, wo einerseits die Sterbebegleitung in häuslicher Umgebung und andererseits Aufgaben und Ziele des stationären Hospizes aufgezeigt sowie Trauer- und Angehörigenarbeit thematisiert wurden.

 

Am zweiten Tag bildeten die Versorgung Verstorbener, Bestattung und Beisetzung und Angehörigenarbeit die Schwerpunkte. Dazu referierte der hier ansässige Bestatter und Küster aus seiner über 30jährigen Berufspraxis. Anschließend fand sich die Klasse in der Auferstehungskirche Varel ein, um eine Beisetzung nachzuempfinden. Gefordert waren die Schüler insbesondere im Rahmen der Angehörigenarbeit und den damit verbundenen Fragen: Wie begleite ich angemessen, wenn Angehörige einen geliebten Menschen verlieren und inwieweit darf oder soll ich mich als Pflegekraft in die Begleitung einbringen? Hilfreich war das Aufzeigen möglicher Rituale durch einen Pastor, um auch spirituelle Bedürfnisse zu berücksichtigen.

 

„Es waren zwei sehr intensive, anstrengende, aber auch schöne Tage. Zum einen ist unsere Klasse mehr zusammengerückt, keiner musste seine Emotionen und Gefühle verstecken. Durch die Offenheit hat man eine andere Sichtweise von seinen Mitschülern erlangen können. Jemand, der sonst sehr zurückhaltend ist, zeigte Emotionen und teilte seine Erfahrungen“, so zwei Schülerinnen.

 

Andererseits regt das Seminar nachhaltig zum Nachdenken an, was im Leben wirklich wichtig ist, wie unterschiedlich und intensiv Begegnungen von Menschen sein können.

 

Der Klasse ist bewusst geworden, dass Sterben ein sich darauf einlassen und Zeit erfordert. Zeit, die häufig fehlt, weshalb einige Schüler in ihrer Zukunft ein Ehrenamt in der palliativen Arbeit in Erwägung ziehen.

 

 

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