„Der Tod ist eben auch nur ein Teil von Verlust“

– das Sterbebegleitseminar der Berufsfachschule Pflege am Ende des 2. Ausbildungsdrittels

Täglich sterben in Deutschland unzählige Menschen aller Altersstufen, wodurch die Tragweite der Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Sterben für die angehenden Pflegefachkräfte deutlich wird. Die würdevolle Begleitung und Versorgung von Sterbenden, Verstorbenen aller Altersstufen und deren An- und Zugehörigen steht dabei im Fokus und ist auch das Ziel eines Sterbebegleitseminars, welches einen wichtigen wie auch festen Bestandteil im Rahmen der dreijährigen Pflegeausbildung darstellt. Es erfordert sehr hohe emotionale und fachliche Anforderungen an die Pflegefachkräfte, die Klient:innen sowie deren An- und Zugehörige. Folglich ging es in dem Sterbebegleitseminar für die Auszubildenden der BFSP 24.1 an den BBS Varel in erster Linie darum, sich behutsam und vorbereitend mit dem Thema Sterben und Tod, vielleicht auch vielmehr mit dem Thema Verlust, auseinanderzusetzen.

Aus diesem Grund fand das Seminar nicht im Rahmen des alltäglichen Unterrichts in den Räumlichkeiten an den BBS Varel statt, sondern wurde für zwei Tage in die Räumlichkeiten an dem Hospiz am Wattenmeer in Varel sowie in das Hospiz St. Peter in Oldenburg ausgelagert.

Es herrschte eine Atmosphäre, die sowohl einen Austausch von Erfahrungen in einem geschützten Rahmen als auch ein Zulassen von Emotionen ermöglichte.

Durch verschiedene Referent:innen, deren Handlungsfeld die Begleitung von Sterbenden und Verstorbenen darstellt, war es den Auszubildenden möglich, vielseitige Einblicke zu erlangen und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen. Zunächst ging es um die pflegerische Versorgung palliativer Klient:innen und Verstorbener im stationären sowie ambulanten Setting sowie um Bestattungen, verschiedenen Formen der Beisetzungen und An- und Zugehörigenarbeit. Dabei wurde auch die Altersstufe vom Embryo bis ins hohe Erwachsenenalter in den Fokus genommen. Dazu referierte der Qualitätsbeauftragte des Hospizes am Wattenmeer, Dominic Gummar, unter anderem zu den Aufgaben und Zielen des stationären Hospizes und der damit verbundenen Trauer-, An- und Zugehörigenarbeit und Frau Lücking (Koordinatorin der Hospizbewegung Varel) zu den Abläufen in der ambulanten Hospizbewegung. Die in Varel ansässige Bestatterin Frau Freesemann erzählte aus ihrer Berufspraxis. „Ich muss den Umgang mit dem Sterben und dem Tod erst noch lernen, damit ich nicht so viel mit nach Hause nehme.“, so Sara Hassan (Auszubildende BFSP 24.1).

Anschließend fand sich die Klasse auf dem Friedhof der Auferstehungskirche Varel ein, um durch eine gemeinsame Friedhofsbegehung verschiedene Grabstätten kennenzulernen. Begleitet wurde dies durch Frau Bleß (Vorsitzende des Friedhofausschusses).

Am zweiten Tag erhielten die Auszubildenden einen Methodenworkshop durch Frau Adams-Korz (Diakonin/Trauerbegleiterin/Konfetti Elsfleth), welcher im Kern „Tod und Sterben für den Bereich Pflege und Umgang mit Verlusten“ thematisiert hat. Anhand von Selbsterfahrungsübungen sowie Selbstreflexionen wurde die Thematik Tod/Sterben/Verlust angebahnt und vertieft. Das Methodenpotpouri stand ganz unter dem Motto „learning by doing“. Auf diese Weise haben die Auszubildenden gutes Handwerkszeug zur Begleitung von Sterbenden und Trauernden an die Hand bekommen.

Im Vorfeld fand eine Führung durch das Hospiz St. Peter unter Leitung des Geschäftsführers Andreas Wagner statt. Dieser erzählte etwas zur Geschichte und Zielsetzung sowie Haltung der Einrichtung gegenüber Bewohner:innen und deren Zugehörigen als auch dem Team selbst.

„Es waren zwei sehr intensive, anstrengende, aber auch schöne Tage. Die ohnehin bereits starke Klassengemeinschaft stütze selbst alle gezeigten Emotionen und Gefühle. „Wir haben noch einmal ganz neue Facetten unserer Mitauszubildenden kennengelernt und noch mehr über die Einzelne/ den Einzelnen erfahren.“, so Oliwia Tokaruk (Auszubildende der BFSP 24.1). „Ich weiß nun ein wenig mehr, wie ich An- und Zugehörigen nach dem Tod eines geliebten Menschen begegnen kann, denn manchmal fehlten mir die Worte.“, so Jean Baptiste Mazimpaka. Alice Gerstendorf´s ganz persönliches Fazit lautet: „Es war wirklich warm und ich hatte Respekt vor dem Sterbebegleitseminar, aber es hat sich gelohnt.“

Verfasser : Malte Gosch, Jana Klement